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Holzschutz

Der Holzschutz hätte dem Holzbau in den 1970er- und 1980er-Jahren beinahe ein Bein gestellt, als Holzschutz nur mit chemischen Mitteln in Verbindung gebracht wurde und die Meinung überwog, Holz durch den Einsatz von Giftstoffen haltbar machen zu müssen. In den letzten 25 Jahren hat hier allerdings ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Verbunden mit der Rückbesinnung auf alte Holzbautraditionen und Erfolgsstrategien wird dem konstruktiven Holzschutz heute wieder eindeutiger Vorrang vor allen anderen Maßnahmen eingeräumt.

 

Wesentliche Aufgabe des konstruktiven Holzschutzes ist es, die Holzkonstruktion dauerhaft trocken zu halten. Unterhalb des sogenannten Fasersättigungspunkts, der bei den Bauholzarten etwa zwischen 28 und 35 % mittlerer Holzfeuchte liegt, besteht keine Möglichkeit des biologischen Abbaus durch holzzerstörende Pilze. Erst bei dauerhaften Holzfeuchten darüber steht in den Zellen freies Wasser zur Verfügung, das die holzzerstörenden Pilze zum Wachsen benötigen.

 

Als trocken gilt Holz in diesem Zusammenhang bei einer mittleren Holzfeuchte von ~ 20 % (DIN 68800-1, Tab. 1). Der Abstand zum Fasersättigungspunkt lässt sich als Sicherheitsabstand interpretieren. Wird diese Voraussetzung nicht erfüllt, ist im Übrigen auch der vorbeugende chemische Holzschutz nicht dauerhaft hilfreich. Bei ständiger Feuchtebeanspruchung kann er einen Befall mit holzzerstörenden Pilzen allenfalls verzögern, nicht aber verhindern. Auch zur Abwehr von holzzerstörenden Insekten ist kein chemischer Holzschutz erforderlich. Vielmehr lässt sich auch hier ein Befall durch konstruktive Maßnahmen wirksam verhindern. Die meisten Insekten müssen zur Eiablage eine freie Anflugmöglichkeit haben, die sie in vollgedämmten Konstruktionen mit allseitigen Abdeckungen nicht vorfinden. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass die technische Trocknung der Hölzer zwei Dinge bewirkt: Einerseits werden eventuell vorhandene Larven von Frischholzinsekten abgetötet, andererseits macht die Umwandlung von Holzinhaltsstoffen das Holz für Trockenholzschädlinge uninteressant.

 

DIN 68800-1 definiert technisch getrocknetes Holz dabei wie folgt: »Holz, das in einer dafür geeigneten technischen Anlage prozessgesteuert bei einer Temperatur T ~ 55 "C mindestens 48 h auf eine Holzfeuchte u ~ 20% getrocknet wurde. Umfangreiche Untersuchungen an Hallentragwerken in den letzten zehn Jahren haben ebenfalls gezeigt, dass trotz freier Zugänglichkeit von Hölzern an den Dachrändern kein technisch getrocknetes Holz Schäden durch Insektenfraß aufwies. Für den konsequenten Verzicht auf chemischen Holzschutz sprechen außerdem die Vermeidung von gefährlichen Stoffen an Arbeitsplätzen und in Wohnbereichen sowie die besseren Recyclingmöglichkeiten unbehandelter Hölzer. Sollten in Einzelfällen dennoch Einbausituationen auftreten, die eine erhöhte Gefährdung durch Feuchte oder gar Insekten erwarten lassen (z. B. bei Schwellen mit unzureichendem Abstand zum Erdreich, Terrassenbelägen oder frei bewitterten und gegebenenfalls sogar erdberührten Bauteilen im Garten und Landschaftsbau), kann alternativ zum vorbeugen- den chemischen Holzschutz auf resistente Hölzer wie etwa Lärchen- und Douglasienkernholz oder noch resistentere Holzarten wie Eiche oder Edelkastanie zurückgegriffen werden. Für besondere Fälle eignen sich auch thermisch oder chemisch modifizierte Hölzer. Sogenanntes Thermoholz wird unter Druck und Temperatur so behandelt, dass durch die Umwandlung der Inhaltsstoffe kein Nährstoffangebot für holzzerstörende Pilze oder Insekten mehr zur Verfügung steht. Allerdings ist damit auch eine Farbveränderung (dunkelbraun bis schwarz) und eine Abminderung der Festigkeits- und Steifigkeitseigenschaften verbunden. Dies gilt jedoch ebenso für chemisch veränderte Hölzer, z. B. durch Acetylierung.

 

Für den mehrgeschossigen Holzbau lassen sich folgende Regeln zum Holzschutz zusammenfassen: Ausschließliche Verwendung technisch getrockneter Hölzer: Kommen Holzbaustoffe wie Brettschichtholz oder Brettsperrholz und Holzwerkstoffe zum Einsatz, erfolgt die technische Trocknung bereits bei den Ausgangsmaterialen (Lamellen, Späne usw.) und muss nicht besonders ausgeschrieben werden. konsequente Anwendung des konstruktiven Holzschutzes, z. B. durch allseitige Bekleidungen, Volldämmung von Bauteilen. Abstand zum Erdreich etc. - keine Wassersackbildungen, keine offenen Kehlen und Anschlüsse etc.

 

• Vermeidung von frei bewitterten Außenbauteilen: Ausnahmen sind gegebenenfalls bei Stützenquerschnitten aus resistenten Hölzern möglich oder bei der Anordnung von früher sehr häufig eingesetzten Opferbrettern, die sich einfach auswechseln lassen (z. B. Hirnholzabdeckungen an Pfetten) konsequente Anwendung aller erforderlichen Feuchteschutzmaßnahmen

• Verwendung resistenter Holzarten oder chemisch modifizierter Hölzer, wenn erforderlich

• Vermeidung vorbeugender chemischer Holzschutzmaßnahmen

 

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